Osterzeilen

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Forsythie schmückt die große Vase.
Daneben steht aus Holz ein Hase
grüne Hose, weißes Hemd
sowie zwei Küken ungekämmt.

An Weidenkätzchen baumeln Eier
Ausgeblasen, bunt bemalt
Unterm Bild nach Biedermeier.
Erst eignes Haus, dann Heim gezahlt.

Und während der vegane Enkel
Noch trauert über Lämmerschenkel,
Spitzt draußen Krokus aus dem Schnee.
Der Frühling kommt. Er geht. Herrje.

© Katja John, 2015

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Abschied am Meer

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Wünsche auf Wellen gelegt
wo sie zum Mond getragen
der Welt auf sanften Wogen
ein Ruhen abringen. Kein Wollen.

Nur Wehgesang der Meere
wo Sterne sich und Seelen
tiefdunkel funkelnd
über Schatten drunten
spiegeln. Kein Klagen.

Wo Hoffnung kalt
glitzernd in den Tiefen
versinkt. Kein Ton.
Und doch ein Rauschen und
Tosen. Und Regen, der prasselnd
die Dürstenden labt.

Grenzenlos. Kein Trost
sollte man meinen. Und doch.

© Katja John, 2014

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Hochstadter Stier 2015: Lyrikfieber II

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Auch 2015 wollte ich mir das Lyrik-Wochenende beim Hochstadter Stier nicht entgehen lassen. So folgte meiner himmelhoch jauchzenden Schwärmerei vom letzten Jahr prompt auch die Anmeldung zum 7. Hochstadter Stier – diesmal zum Thema „Elemente: Feuer, Wasser, Luft und Erde“.

Bereits im Vorfeld freute ich mich sehr darüber, dass sich auch ein paar „alte Bekannte“ aus dem Vorjahr wieder angemeldet hatten. Natürlich war ich auch gespannt auf die mir noch unbekannten Mitstreiter aus ganz Deutschland und sogar Italien.

Wieder hatten die Teilnehmer verschiedene Gedichte zum Thema eingereicht und erfuhren zu Beginn des Seminars am Freitag, welches ihrer Gedichte sie durch das Wochenende begleiten würde. Erst als ich am Freitag Abend neugierig durch die 24 ausgewählten Gedichte der Teilnehmer blätterte, wusste ich, dass ich mit „Unterm Laub“ antreten würde.

Wundervoll geleitet durch die Organisatoren und Mentoren Anton G. Leitner und Sabine Zaplin lasen, besprachen, variierten und lebten wir unsere Gedichte, die zum Höhepunkt der Veranstaltung am Samstag Abend vor Publikum im Gasthof Schuster in Weßling vorgetragen wurden.

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Vor der Veranstaltung genoss ich bei einem Spaziergang das Winterwunderland in und um Hochstadt/Weßling, das der Januar in die Landschaft gezaubert hatte.

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Auch diesmal blieb ich nicht verschont vom Lampenfieber – und war damit vermutlich nicht allein. Nach den teils heiteren, teils ernsteren Beiträgen wurden drei Publikumspreise und ein Jurypreis verliehen.

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Am Sonntag wurden die Vorträge per Videoanalyse noch ein letztes Mal bei Tageslicht betrachtet. Im Jahr zuvor war ich noch leicht erstaunt, wie stark fränkisch gefärbt mein Vortrag war. Nun wusste ich bereits wie ich so ungefähr klinge, fand die Analyse dennoch wieder sehr hilfreich. So fiel mir diesmal auf, dass ich zum Zeilenende hin oft leiser werde. Sicherlich etwas, an dem ich noch arbeiten kann.

Ich freue mich schon auf das nächste Mal!

Mehr zur Veranstaltung und den Gewinnern kann man auf DasGedichtBlog nachlesen und mich sogar auf den Fotos unter den vielen Teilnehmern finden.

Gedichte von Jo Lenz, die nach einer Stichwahl auf Platz 2 landete und eine leidenschaftliche Bloggerin ist, kann man hier auf „Jedichtet“ finden.

© Katja John, 2015

 

Unterm Laub

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Will mich hineinwühlen
in dich
ein Regenwurm sein
im feuchten Boden

so satt
mit meinen nackten Händen
dich spüren
warm und kalt
durchs Moos

ein Steinpilz sein
betört von erdiger Lust

unterm Laub
schwer
duftest du
nach Töpferkurs
und Höhlenmalerei

nach Sommerregen
atme ich
dich im Wald
will meine Finger gleiten lassen
durch dein Wurzeldickicht

grabe meine Füße fest hinein
in dich
bei jeder Rast
und fühle deinen Puls.

© Katja John
Beitrag zum 7. Hochstadter Stier, 31. Januar 2015

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unbezahlbar der Preis

den die fahlen
Wochenenden zahlen
die zuhause nicht mehr sind

Was ist noch geblieben
von dem was zu Beginn
uns wertvoll schien?

© Katja John
(Gedichtbeitrag zum Hochstadter Stier 2014)

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